"NärrischeTeufelsweiber"                  (Badische Zeitung vom 18.01.2013)

Am heutigen Freitagabend wird im Bürgerhaus Seepark die "Zunft der Freiburger Hexen" dem Stadtoberhaupt Dieter Salomon das Protektorat für die diesjährige Fasnet übergeben. Sie ist dieses Jahr auf der Umzugs-Anstecknadel und dem Jahresorden abgebildet, weil sie ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Im April 1963 kamen sechs Männern und Frauen, die bisher bei der Ranzengarde als Marketenderinnen und Adjutanten bei der Fasnet marschierten, auf den närrischen Einfall, sich auch ein "Holz" (eine Maske) zuzulegen. Es waren Lilo und Wolfgang Herterich, Renate und Rolf Blasen, Elisabeth Neuber und Gerhard Bruder. Sie hatten die Idee, in Freiburg eine Hexenzunft zu gründen.

Der Freiburger Richard Fahr, damals Insignienmeister der Breisgauer Narrenzunft (BNZ), entwarf ihnen eine Maske, und in dem Holzbildhauer Josef Tränkle aus Elzach fand man einen begabten Schnitzer, der diese aus Lindenholz fertigte. Sie zeigt eine hässliche Frauenfigur mit einem einzigen dreieckigen Zahn, grünen Insektenaugen und einer mehrfach gekrümmten Nase. Mit rotem Kopftuch, grünem Mieder und schwarzem Rock, dazu Strohschuhe, Besen mit rotem Stiel und einigen alten Chaisen (Kinderwagen) war man bereits am Umzug 1964 mit acht Hexen dabei. 1965 beteiligten sich die kleine Gruppe erstmals am Narrentag des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) in Kenzingen. Inzwischen waren neue aktive Mitglieder zu den Hexen gestoßen. Im brechend vollen Zunftlokal "Tennenbacher Hof" fanden jahrelang die Veranstaltungen statt. Der Hexentanz wurde erstmals aufgeführt. Leider musste in den Folgejahren öfters das Zunftlokal gewechselt werden. Derzeit haben die Freiburger Hexen im "Schützen" in der Oberwiehre ihre fastnächtliche Heimat.

 

Die feierliche Aufnahme in die BNZ fand am 11. November 1967 im Kolpinghaus statt. Als Paten konnten die Erznarren der BNZ, die Fasnetrufer und die Herdermer Lalli, gewonnen werden. 1969 kam als Einzelfigur ein Teufel zu den Hexen. Auch dafür entwarf Richard Fahr die Maske, die von Josef Tränkle meisterhaft umgesetzt wurde.

Der Teufel ist der Anführer der Hexenbrut. Er trägt eine Jacke aus schwarzem Fell von Schweizer Bergschafen. Dazu kommt eine schwarze Hose mit rechteckigen Filzflecken sowie Strohschuhe und schwarze Handschuhe. Die Maske zeigt ein bärtiges Gesicht mit starken Augenbrauen und ebenfalls grünen Insektenaugen. Zwei eberähnliche Hauerzähne wachsen aus dem Oberkiefer. Es gibt insgesamt zwei offizielle Exemplare (eines im Freiburger Narrenmuseum an der Turmstraße). In der Hand trägt der Teufel eine Gabel, die aus natürlich gewachsenem Holz gefertigt wurde.

Eine Korrektur gibt es zur Folge 77 des Fasnetlexikons: Der dort erwähnte Hermann Eris Busse war nicht Vorsitzender, sondern Geschäftsführer des Landesvereins "Badische Heimat".

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© Jochen Batsch